Der Niednagel ist gar kein Nagel: Es ist ein feiner, verhornter Hautfaden, der sich am seitlichen Nagelfalz oder an der Nagelhaut löst und absteht. Er entsteht vor allem bei trockener Haut, nach Wasser- und Putzarbeiten oder durch Knabbern und Zupfen, an den Zehen auch durch Reibung im Schuh.
Der Faden selbst ist banal, gefährlich ist der Reflex, ihn abzureissen. Dabei reisst die Haut tiefer ein, als die Verhornung reicht, und die kleine Wunde am Nagelfalz ist eine ideale Eintrittspforte für Bakterien. Aus dem Bagatellfaden wird dann eine schmerzhafte Nagelbettentzündung mit Rötung, Pochen und im ungünstigen Fall Eiter.
Den Faden mit einer sauberen, feinen Schere oder einem Knipser dicht an der Basis abschneiden, nicht ziehen. Danach die Stelle pflegen: Hautöl oder eine fette Creme halten den Nagelfalz geschmeidig, das beugt dem nächsten Faden vor. Rötet sich die Stelle, hilft Ruhe und Desinfektion, und pochende Schmerzen oder Eiter gehören in fachliche Hände.
Mit Neid hat der Niednagel sprachlich tatsächlich zu tun: Nach altem Volksglauben zeigte der abstehende Hautfaden an, dass man beneidet werde. Sachlich näher liegt das mittelniederdeutsche «nit» im Sinn von Kränkung, denn genau so fühlt sich das Hängenbleiben an.
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